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Кому и зачем нужна "политкорректность"?

27.11.03 15:56
Re: Кому и зачем нужна
 
  Allmend знакомое лицо
in Antwort boltik2003 26.11.03 19:21, Zuletzt geändert 27.11.03 16:10 (Allmend)
OK, Boltik, ich sehe, dass Ihr Deutsch viel besser ist, als Ihr Russisch, bleiben Sie einfach bei der ersten Sprache, die sich für das Philosophieren auch besser eignet.
Ich möchte noch einmal den Satz "<Fremde Texte zu kopieren und zu manipulieren, das kann doch jeder Affe!>" analysieren und └dekonstruieren⌠.
Aus dem Text ist es nicht klar, wo das Subjekt ist. In jedem Falle steht da nicht drin, dass Boltik ein Affe ist. Aus dem Kontext kann man jedoch schließen, dass es vermutet wird, dass Boltik den Text kopiert hat, aber es war keine Behauptung, sondern nur eine Vermutung.
Es kommt doch immer auf den Kontext an, in den ein Wort eingebettet ist. Ohne Kontext hat das Wort (Signifikat, Signifier) keine eindeutige Bedeutung, so Derrida.
Saussure glaubte, dass man das Subjekt in der Sprache suchen soll (Logo-Zentrismus, Logos = Wort, Sprache).
Derrida behauptet aber, dass man durch └dekonstruktion⌠ das ganze westliche Denken in Zweifel stellen kann. Es gibt überhaupt kein Subjekt, da jeder Text in sich selbst den Ansatz für einen Widerspruch birgt. Jeder schreibende/sprechende und lesende/hörende konstruiert sich das Subjekt mittels der Sprache mit gleichen Bausteinen (Worten), das nach Derridas Methode dekonstruiert werden kann.
Falls Sie die Diskussionen über └Gut⌠ und └Böse⌠ beobachtet haben und die Argumente von └Derdiedas⌠ gelesen haben, wissen Sie, wovon es geht. Die Leute sind für immer und ewig bei Kants Denken geistig stecken geblieben.
Das westliche dualistische Denken basiert auf linguistischen Gegensätzen, und dabei ist immer einer der Gegensätze └besser⌠. Derrida meint, dass diese Weltanschauung falsch ist, da in dieser Dichotomie der Gegensätze eine Hälfte ohne die andere einfach nicht existieren kann. Das Wort └besser⌠ ist kein natürliches Wort, es ist einfach ein Konstrukt. Derrida schlägt vor, sich von der └Entweder/Oder⌠-Logik zu lösen und diese mit └Beide/Und⌠- Denkweise zu ersetzen.
Derridas Denkweise ist sehr revolutionär, da es die └Wahrheit⌠ relativiert und pluralisiert. Es gibt kein Ding in sich, keine absolute Wahrheit. Alles hängt davon ab, wie man die Sprache gebraucht.
Für mich ist aber unklar, ob ein Konsensus überhaupt möglich ist? Ich meine, ein Konsensus, der durch einen Diskurs erreicht wird, und nicht aufgezwungen wird. Dieses Forum gibt mir nicht viel Hoffnung.
Saussure glaubte, dass die Worte fixierte Bedeutungen haben, die durch das Selbstbewusstsein eines rationaldenkenden/sprechenden Menschen erkannt werden und deshalb nicht erklärt werden müssen. Derrida hat es durch Dekonstruktion bewiesen, dass Worte nur temporär zu bestimmten Sachen fixiert sind, und dass alles vom Kontext abhängt. Das heißt, dass man alles re-definiteren kann, was bedeutet, dass man das Subjekt oder Subjektivität in einem Diskurs willkürlich konstruieren und positionieren kann. Jede Kultur setzt das Subjekt anders ein, und sogar innerhalb einer Kultur gibt es Konfliktgruppen, die in einem Diskurs das Subjekt ständig re-positionieren und re-interpretieren. Im Endeffekt hängt alles von den Emotionen und dem Unterbewusstsein des Lesers oder Verfassers des Textes ab. Mit anderen Worten: "alles kommt aus dem Bauch".
Die Sprache ist eine Falle. Das sieht man auch in diesem Forum. Leute diskutieren und verstehen einander nicht, da jeder seine eigene Sprache spricht.
Mann sollte zuerst sich über die Begrifflichkeiten einigen, und nicht die Worte nur als Gegebenheiten hinnehmen. Man nutzt die Worte └Antisemit⌠, └Rassist⌠, └Demokrat⌠, └Radikal⌠ etc. ohne zu begreifen, dass es sich um keine fixierte Begrifflichkeiten handelt und dass diese Begrifflichkeiten ständig re-definiert und re-positioniert werden können, und └Political Correctness⌠ ist ein beweis dafür.
Was sagen Sie dazu?
 

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