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Так ли уж импотентна импотентная ООН?

15.10.03 23:47
Re: Так ли уж импотентна импотентная ООН?
 
Мущщщина сладкоструйный, очень опасен
Мущщщина
Die Regeln von Hama
Leon de Winter schreibt einen zweiten Offenen Brief an George W. Bush
Sehr geehrter Präsident Bush, Sie haben zwei Völker von Tyrannen befreit. Keinen mickrigen kleinen Tyrannen der Sorte Honecker, die natürlich schon schlimm genug war, sondern Tyrannen von klassischem Format, von Ausmaßen, die wir uns hier im befriedeten Europa gar nicht mehr vorstellen können. Dennoch spricht man in Europa nicht mit Respekt von Ihnen.
Im vergangenen Jahrhundert haben zwei europäische Tyrannen zig Millionen Menschen in den Tod getrieben, und alte Animositäten und geopolitische Ambitionen haben Europa in ein gigantisches Grab verwandelt. Wir haben also unsere Erfahrungen mit Tyrannen und Gemetzeln. Deshalb vermeiden wir in unserer Europäischen Union Konflikte, soweit es irgend geht, und bemühen uns um Konsens. Gemessen an den Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts ist das ein kolossaler Fortschritt.
Doch zu unserem Erstaunen wird unser radikaler Pazifismus offenbar nicht allseits verstanden. So reichten unsere verbalen Kräfte in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht aus, um den selbstmörderischen Gewaltakten auf unserem Balkan, nur etwas mehr als zwei Flugstunden von Berlin, Straßburg und Paris entfernt, Einhalt zu gebieten. Das mächtige Europa erwies sich als außerstande, einen europäischen ethnisch-religiösen Konflikt, für den es in den letzten 1000 Jahren unserer Geschichte unzählige Beispiele gegeben hat, zu beenden, ohne Ihren Vorgänger um den Einsatz von Gewalt zu bitten.
Es war schön von den Vereinigten Staaten, uns auf dem Balkan zu Hilfe zu kommen. Gleich dreimal in achtzig Jahren haben die Vereinigten Staaten uns unter Aufopferung ihrer Söhne von unermesslicher Gewalt befreit. Aber ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Sie dafür nicht nur Dank, sondern auch Hass ernten? Dankbarkeit mündet auf die Dauer immer in Ranküne.
In Afghanistan und im Irak haben Sie grausame Regimes verjagt, und demzufolge stellen Sie in den Augen gebildeter europäischer Denker paradoxerweise eine Gefahr für den Weltfrieden dar. Man misstraut Ihren Motiven, Ihrer Macht, ja sogar Ihrem Charakter. Sie werden gehasst.
Haben Sie sich denn im Hinblick auf die Regimes, die Ihre Truppen gestürzt haben, getäuscht? Haben sich die Taliban als progressive, humane Volksbewegung entpuppt, und war Saddam Hussein am Ende gar ein arabischer Vaclav Havel?
Der Hass, den Sie ernten, ist ein faszinierendes Phänomen. Es gibt Menschen, die mich hassen, weil ich Sie nicht hasse. Ein deutscher Buchhändler rief vor einiger Zeit Kollegen dazu auf, meine Bücher aus den Verkaufsregalen zu entfernen, nachdem ich öffentlich Verständnis für Ihre Entscheidungen geäußert hatte. In Europa finden sich nicht viele Menschen, die über Ihre Politik denken wie ich, und trotzdem bin ich der Meinung, dass diese Mehrheit - Ihre Feinde - in tragischer Weise irrt.
Die jüngste europäische Geschichte zeigt, dass sehr viele Menschen kollektiv an ernstlichem Selbstbetrug leiden können. Den die öffentliche Debatte beherrschenden europäischen Intellektuellen unterlaufen permanent Fehleinschätzungen. Dass sie dafür keine Rechenschaft abzulegen brauchen, verdanken sie der besonderen Struktur der europäischen Medien, in denen überwiegend Leute tätig sind, die solche Einschätzungen teilen. Zur Zeit Ihres Angriffs auf Saddam Hussein hatte ich im niederländischen Fernsehen eine Diskussion mit der Vorsitzenden der niederländischen Umweltpartei "Groenlinks", die prophezeite, dass Ihre Truppen im Irak den Tod Hunderttausender verursachen würden. Brennende Ölfelder würden die Sonne verdunkeln. Schiiten und Sunniten würden einander massenhaft an die Gurgel gehen. Die Kurden würden die Türken provozieren. Unter Anführung der breiten arabischen Massen - "the Arab street" - würde der gesamte Nahe Osten explodieren und die Welt in die totale Apokalypse reißen. Sie sah in mir einen Kriegstreiber, und sie hatte viele Anhänger (die meinen konnte ich an einer Hand abzählen). Nie hat sie Bedauern über ihre unrichtigen Vorhersagen geäußert, nie hat ein Journalist sie an diese erinnert.
Die öffentliche Meinung in Europa und ihre intellektuelle Vorhut sind geradezu fixiert auf tatsächliche oder vermeintliche Opfer amerikanischer oder israelischer Verbrechen. Vor den Grausamkeiten der Taliban und der Baath-Partei Saddam Husseins hatten sie insgeheim die Augen verschlossen, bis Sie sich dazu äußerten. Da begann sich die europäische Intelligenzija auf einmal zu fragen, ob die Argumente, die Sie für die Beendigung der tyrannischen Regimes in Afghanistan und im Irak anführten, denn eine ausreichende Legitimation seien - wie Zuschauer, die den Retter auf das Schild "Baden verboten" hinweisen, das an dem Fluss steht, in dem gerade einer zu ertrinken droht.
Eines der Argumente, die bis zu Ihrem Einfall im Irak von niemandem in Zweifel gezogen wurden, war das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen im Irak. Daran zweifelten auch Frankreich und Deutschland nicht. Das Verhalten des Saddam-Regimes wäre ziemlich schizophren gewesen, hätte es diese Waffen nicht besessen und nicht die Absicht verfolgt, sie zu verstecken und versteckt zu halten. Man hatte ja inzwischen auch etliche Fälle von Betrug und Doppelspiel der irakischen Führung aufgedeckt. Saddam Hussein hatte in der Vergangenheit Vermögen in geheime Waffenprogramme investiert, und wann hätte je ein arabischer Diktator freiwillig auf die Produktion von Massenvernichtungswaffen verzichtet? Der gesamte Nahe Osten, einschließlich Israels, strotzt von geheimen Waffenprogrammen, und Saddam war ein traditioneller arabischer Tyrann, der den geheimen oder offenen Besitz von biologischen, chemischen und nuklearen Waffen zu schätzen wusste.
Ihre Feinde behaupten nun entgegen allen Berichten seit 1991, dass der Irak diese Waffen nicht hatte (denn Sie haben sie bis heute nicht gefunden; Saddam haben Sie auch noch nicht gefunden, hat er also nie existiert?). Somit sind Sie deren Meinung nach unrechtmäßig gegen Saddam Hussein vorgegangen. Oder anders ausgedrückt: Ihre Feinde messen der Gültigkeit Ihrer Argumente größeres Gewicht bei als dem grenzenlosen Leid, das Saddam Hussein im Irak anrichtete. Jetzt äußern manche Beobachter die Vermutung, Saddam Hussein habe keine Massenvernichtungswaffen mehr gehabt und nur zur Wahrung seines Ehrgefühls das Bild aufrechterhalten wollen, er besäße sie doch. Verkleinert das seine Monstrosität? Denn nichtsdestoweniger hat er sein Volk unter einem schweren Embargo leiden lassen.
Ihre Feinde erklären die Popularität des islamistischen Terrorismus mit der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rückständigkeit der arabischen Völker, die nie eine liberale Demokratie gekannt haben und sich nach Freiheit sehnen. Ihre Feinde werfen Amerika vor, es habe arabische Diktatoren immer unterstützt und sich damit der breiten arabischen Masse entfremdet.
Jetzt, da Sie mit einem arabischen Tyrannen kurzen Prozess gemacht haben, werden Sie von Ihren Feinden darauf hingewiesen, dass Sie gemäß internationalem Recht keine Legitimation für Ihren Angriff hatten. Dieses internationale Recht hinderte Saddam Hussein und die Taliban nicht daran, viele Hunderttausende von Menschen zu ermorden, aber dieses internationale Recht sollte Sie daran hindern, dieses Unrecht zu beenden.
Machen wir uns nichts vor: Ihren Feinden geht es gar nicht um das irakische Volk. Sie wollen die Begrenzung Ihrer Macht. Und wenn Terrorakte gegen Ihre Soldaten im Irak diese Macht anfressen, können sich Ihre Feinde der Illusion hingeben, Ihre Macht ließe sich eines Tages neutralisieren. Die Folterkammern und Massengräber im Irak sind für Ihre Feinde unerheblich. Die gebe es überall auf der Welt, und man könne nun mal nicht überall auf der Welt eingreifen, lautet ihre Argumentation, die falsch und abgefeimt ist, zumal wenn man sich ihren alten Schlachtruf von der "internationalen Solidarität" vergegenwärtigt.
Aber lassen Sie mich für einen Moment die Haltung Ihrer Feinde übernehmen. Sie sind ein Dieb. Sie wollten in das Haus Irak eindringen, um die irakischen Schätze zu stehlen. Doch als Sie drinnen waren, stellten Sie fest, dass das Haus in Flammen stand. Und da haben Sie, obwohl Sie doch vorhatten, das Haus auszurauben, die Bewohner aus dem Feuer gerettet.
Trotz der Rettung reiten Ihre Feinde weiterhin auf Ihren kriminellen Absichten herum. Für sie bleiben Sie ein Einbrecher.
Jetzt stehen Sie vor der Aufgabe, das Haus wiederaufzubauen. Ich weiß, dass Sie über scharfsinnige Berater verfügen, über Wissenschaftler und Experten, die sich den spezifischen Problemen des Nahen Ostens gewidmet haben, aber ich kann nicht umhin, Sie auf einige unerfreuliche Komplikationen hinzuweisen.
Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit haben so viele Menschen ein solches Maß an Freiheit, Wohlstand und Existenzsicherheit gekannt wie die Bürger des heutigen freien Westens. Und diese Errungenschaften fußen auf vielen geschriebenen und ungeschriebenen Regeln und Gesetzen. Besonders hervorzuheben ist dabei die Beziehung zwischen dem Bürger und der großen Abstraktion "Staat". Dieser moderne Staat ist völlig ungreifbar und doch zugleich ganz konkret in seinen Institutionen. Der Bürger kann sogar mit diesem abstrakten Staat in Konflikt geraten und sein Recht bei der Justiz, der Hüterin der Gesetze, suchen. Es ist ein kompliziertes, aber funktionierendes Loyalitätenspiel, das dem modernen Bürger von Kindesbeinen an beigebracht wird, und daraus resultieren in der Regel Ruhe, Sicherheit, Disziplinierung und vor allem: das Vertrauen, dass die körperliche Unversehrtheit und der erworbene Besitz vom Staat geschützt werden. Oder anders ausgedrückt: Die Beziehung zwischen Bürger und Staat bringt zwar gewisse Einschränkungen der Freiheit mit sich, vor allem aber Vorteile. In diesem System werden individueller Einsatz, Verantwortungsbewusstsein und Initiative des einzelnen belohnt.
Das alles fehlt in der arabisch-islamischen Welt. Dort hat sich kein abstrakter, unpersönlicher Staat entwickeln können, der den allgemeinen Interessen diente und sich überdies an die Gesetze halten müsste, zu deren Verankerung er selbst beigetragen hätte. Die arabisch-islamische Welt besteht von jeher aus Familienclans und so genannten "extended clans", weit verzweigten Familienverbänden, die häufig regional verwurzelt sind und über eine strikte Familienhierarchie verfügen, welche ihren Mitgliedern Existenzsicherheit bietet. Der klassische arabische Klientelismus ist die direkte Folge dieser Clanbindungen. Nicht persönliche Qualitäten - obwohl auch diese anerkannt und belohnt werden können -, sondern in erster Linie die Stellung des Individuums innerhalb des Familienverbands und die Kontakte, über die es verfügt, bestimmen, in welchem Maße sich das Individuum entfalten und von seinen Möglichkeiten Gebrauch machen kann. Und das alles ist abhängig von der Macht an der Spitze des Clans.
Saddam Hussein ist das Paradebeispiel für einen Clanführer, der den Klientelismus brillant für sich genutzt hat. Als Mitglied eines regionalen Clans aus Tikrit arbeitete er sich mittels familiärer Beziehungen nach oben und verstand es, sich mit Gewalt dort zu behaupten, wobei er seine eigene Familie belohnte und andere Clans durch die Gewährung von Vergünstigungen und Einfluss an sich band.
In der arabisch-islamischen Welt stellte er keine Ausnahme dar: Die Art und Weise, wie er sein Regime festigen konnte, ist symptomatisch für das Nichtvorhandensein eines abstrakten, neutralen Staats, zu dem der arabische Bürger eine Vertrauensbeziehung entwickeln könnte. Rechte und Vergünstigungen erhält man aufgrund von familiären Beziehungen oder Korruption. Persönlichen Schutz bringt nur die Kollaboration mit dem Machtmonopolisten: Dem Diktator und seiner Clique. Kritik an den bestehenden Verhältnissen ist lebensgefährlich, weil der öffentliche Raum durch und durch von Persönlichkeitskulten und den damit verbundenen Tabus bestimmt wird. Zu Macht gelangt man einzig und allein über einen Staatsstreich, und daher sind Verschwörungen konkurrierender Familienclans gang und gäbe, und die Diktatur ist beherrscht von einer paranoiden Angst vor dem Verlust der Macht, welcher unweigerlich den Tod des Diktators und seines unmittelbaren Umfelds nach sich zöge sowie den Verlust des Wohlstands und des Einflusses des Familienclans, der die direkte Machtbasis der Diktatur darstellt. Saddam Hussein war keine Aberration, sondern logische Konsequenz der Traditionen in den arabisch-islamischen Kulturen.
Darf ich Ihnen "Von Beirut nach Jerusalem", das ernüchternde Buch über den Libanonkrieg Ihres loyalen Kritikers Thomas Friedman, in Erinnerung rufen? Schlagen Sie doch noch einmal die Seiten über den syrischen Küstenort Hama auf.
1982 wurde Hama von Hafis al-Assad, dem Vater des heutigen syrischen Diktators, nach einem Aufstand dem Erdboden gleichgemacht. Es ist ungeklärt, wie viele Menschen dabei getötet wurden: 20, 30, 40 000? Und Assad hatte keine Probleme damit, dass seine Feinde wussten, was er angerichtet hatte, im Gegenteil: Er wollte, dass seine Feinde es wussten. Dann würden sie ihn fürchten und dementsprechend respektieren. So lauten die Regeln in jenem Teil der Welt. Friedman nennt sie "die Hama-Regeln".
Wenn Sie ein arabischer Tyrann wären, hätten Sie Tikrit und Umgebung plus aller Tikrits, die Ihnen sonst noch in die Hände gefallen wären, ausradieren lassen. Das tut nämlich ein selbstbewusster Sieger in der arabischen Kultur. Ein westlicher Führer kann so etwas nicht, darf so etwas nicht. Aber ob Sie wollen oder nicht: Die Amerikaner werden sich als Besatzungsmacht nach arabischem Rezept verhalten und sich also zumindest den Geist der "Hama-Regeln" zu Eigen machen müssen, auch wenn Intelligenzija und Medien in Europa Zeter und Mordio schreien. Unterdessen sollten die Amerikaner kaltes Blut bewahren und mit tiefgreifenden Bildungsmaßnahmen einen kulturellen Wandel in Gang setzen. Solange traditionelle kulturelle Muster weitergegeben werden, können im Irak keine Demokratie und infolgedessen auch kein verantwortungsbewusster moderner Bürger und kein gleichermaßen verantwortungsbewusster Staat entstehen.
Die Frage, ob sich die arabische Welt demokratisieren und modernisieren kann, wird jetzt im Irak beantwortet. Das ist nicht nur für alle Araber, die sich nach Freiheit sehnen, von größtem Belang: Die gesamte Welt, auch die europäische, benötigt arabische Demokraten. Denn ohne breite arabische Unterstützung lässt sich kein Krieg gegen den menschenverachtenden Islamismus führen.
Sie, verehrter Präsident Bush, verdienen die Unterstützung Europas. Es muss jetzt endlich Schluss sein mit der rachsüchtigen Heuchelei Ihrer Feinde. Amerika und Europa zusammen sollten die demokratischen Kräfte in Irak unterstützen. Wenn der Terror das große irakische Modernisierungsprojekt vernichten würde, verrieten wir schon wieder ganze Generationen von Arabern an ihren jetzigen und späteren Tyrannen.

Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers
Artikel erschienen am 11. Okt 2003
http://www.welt.de/data/2003/10/11/180698.html?search=Leon+de+Winter&searchHILI=1
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