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German in use

08.09.04 08:43
Re: Kopftuchverbot, kein Haß und s.w
 
Mutaborr13 коренной житель
Mutaborr13
в ответ peu 06.09.04 12:16
Also bitte, lassen Sie ihre "kluge" Ratschläge bei Iihnen. Die Geschichte Europas kenne ich. Und ich kenne auch, dass die Araber Spanien erobert haben. Und dass die Araber damals toleranter als Europäer waren, habe ich schon geschriben. Also hören sie bitte auf, die Vorwürfe und Vorurteile zu werfen, wenn Sie nicht gelesen haben, was ich schon in diesem Thread geschriben habe. Sie können nicht greifen, was ich hier immer gesagt habe. Oder wollen Sie nicht? Egal... Ich glaube, dass kein Mensch außer Ihnen das bestreiten wird,dass europäesche Kultur auf den christlichen Regeln basiert. Genau so wie amerikanische und russische Kulturen. Dass da Araber (oder genauer gesagt Mauren) über Spanier oder Mongolen über Russland herrschten, ändert nix!
Erstens habe ich nicht nur Araber / Islam gemeint, sondern nicht-Chrisren. Zweitens,habe
ich nicht nur Ratschläge gegeben, sondern auch mit den Fakten in Link-Form bewiesen , dass Ihre Behauptungen
"europäesche Kulturbasierte auf den christlichen Regeln" seinen fraglich. Und nicht nur ich sondern die Wissenschaftler, deren Werke ich aufgelisten haben genau so meinen. Um das zu verstehen, muss man klar sich vorstellen, was man unter "Kultur" versteht.
Dazu habe ich ein paar Zitatchen mitgebracht.
В ответ на:


Kultur

[lateinisch cultura ╩Pflege (des Körpers und Geistes)╚, ╩Landbau╚, zu colere, cultum ╩bebauen╚, ╩(be)wohnen╚; ╩pflegen╚, ╩ehren╚, ursprünglich etwa ╩emsig beschäftigt sein╚] die, -/-en. In seiner weitesten Verwendung kann mit dem Begriff Kultur alles bezeichnet werden, was der Mensch geschaffen hat, was also nicht naturgegeben ist.

In einem engeren Sinne bezeichnet Kultur die Handlungsbereiche, in denen der Mensch auf Dauer angelegte und den kollektiven Sinnzusammenhang gestaltende Produkte, Produktionsformen, Verhaltensweisen und Leitvorstellungen hervorzubringen vermag. Deshalb betont dieser Kulturbegriff nicht nur das Hervorgebrachte und Künstliche, sondern auch die Wertschätzung, die diesem zukommt.

Wie bereits die Etymologie zeigt, bestimmt sich der Begriff Kultur v.a. über Komplementär- beziehungsweise Oppositionsbeziehungen; dies umfasst die Identifizierung von Kultur mit Gemachtem im Gegensatz zum Nichtgemachten (KulturNatur) sowie die Trennung von praktisch-materieller (Bebauung des Bodens) und geistig-ideeller Kultur (religiös-rituelle Praxis, Kultus).

Mit der Entwicklung städtischer Lebensformen tritt der bereits in den Agrargesellschaften bestehende Natur-Kultur-Gegensatz auf die Ebene sozialer Organisationsformen und findet über lateinisch ╩civilitas╚ beziehungsweise ╩urbanitas╚ Eingang in die europäischen Sprachen. Im Zuge weiterer Ausbildung und kultureller Ausstrahlung städtischer Lebensformen gerät der Kultur- beziehungsweise Zivilisationsbegriff in die Auseinandersetzungen um Vor- beziehungsweise Nachteile städtischen und ländlichen Lebens (Faszination der Großstadt; ländliche Idylle) und wird damit bereits in der Antike zu einem Bestandteil sozialer und sozialkritischer Leitvorstellungen. Anders als in Frankreich, wo der Begriff ╩civilisation╚ den Bedeutungsbereich von Kultur einschließt, und im angelsächsischen Sprachraum, in dem die beiden Begriffe ╩civilization╚ und ╩culture╚ weniger deutlich gegeneinander abgegrenzt sind, unterschied die deutsche Geistesgeschichte deutlich zwischen Kultur und Zivilisation. Zunächst bei I.Kant in aufklärerischer Perspektive zur Rechtfertigung von Kunst und Wissenschaft mit leicht gesellschaftskritischem Impuls formuliert (╩Wir sind... durch Kunst und Wissenschaft cultiviert, wir sind civilisiert zu allerlei gesellschaftlicher Artigkeit und Anständigkeit╚), wird die Differenzierung im 19. und in der 1.Hälfte des 20.Jahrhunderts auch im ideologischen Gebrauch (O.Spengler) zum Kampfbegriff bei der ╩Verteidigung╚ antimoderner (╩deutscher╚) Tiefe und Geistigkeit (Kultur) gegen moderne, westliche (╩französische╚) ╩Oberflächlichkeit╚ (Zivilisation). Im heutigen deutschen Sprachgebrauch stehen die beiden Begriffe Kultur und Zivilisation ohne klare Abgrenzung nebeneinander, wobei im Begriff Zivilisation im Allgemeinen der Aspekt des technischen Fortschritts mit enthalten ist, während der Kulturbegriff in der Alltagssprache häufig auch moralische und stilistische Ansprüche umfasst.

Bedeutungsebenen

Die Vieldeutigkeit des Begriffs Kultur lässt sich anhand von vier unterschiedlich in Erscheinung tretenden Bedeutungsebenen darstellen:

Die Ebene praktischen Handelns, auf der Kultur sowohl den nützlichen als auch den pfleglichen Umgang mit der Natur bezeichnet (Agrikultur): Bodenbebauung und Sesshaftigkeit fallen nicht nur etymologisch, sondern auch kulturhistorisch zusammen. Der Aspekt der Bewirtschaftung des häuslichen Anwesens, bis zur industriellen Revolution mit der Vorstellung des ╩ganzen Hauses╚ als Wirtschafts- und Sozialeinheit verbunden, geht mit der Industrialisierung verloren, gewinnt aber in der Gegenwart (╩Freizeitgesellschaft╚, Umweltdiskussion, ╩nachhaltige Entwicklung╚) auch im Rahmen der Kulturökologie wieder an Bedeutung.

Die Ebene der rituellen Verehrung von Gottheiten: Der hiermit verbundene Aspekt der Institutionalisierung findet sich nicht nur heute in außereuropäischen Kulturen wieder, sondern wurde bereits vom Christentum aufgenommen (╩cultura dei╚ als Gottesverehrung, aber auch Marienkulte u.Ä.). In profaner Bedeutung gewinnt er Gestalt einerseits in bestimmten sozialen Institutionen (Kultusminister), zu deren Aufgaben die Pflege der gesamtgesellschaftlich erforderlichen Werte gehört, andererseits in an Personen gebundenen Kulten (Führerkult), wobei der Begriff v.a. in der politischen Sprache die negative Färbung von Idolatrie oder angemaßter Verehrung zum Ausdruck bringt.

Die Ebene der individuellen und gruppenspezifischen Bildung: Die Bildung des Individuums vollzieht sich nicht nur als Entwicklung und Prägung der emotionalen und sozialen Persönlichkeit (Sozialisation), sondern gleichermaßen als individuelle Übernahme von Normen und Werten der jeweiligen Kultur mit dem Ziel der Ausbildung einer eigenständigen kulturellen Identität. Bereits in der Antike ist dieser Aspekt mit der Vorstellung einer Bildung der Seele durch die Philosophie (Psychagogia) verbunden und hat in der Formulierung Ciceros ╩Philosophia cultura animi est╚ seine über Jahrhunderte nachwirkende Gestalt gewonnen. Diese Tradition von Kultur als Bildung hat den europäischen Kulturbegriff über die Vermittlungen von Renaissance und Humanismus geprägt und noch im 19.Jahrhundert nicht nur das Selbstverständnis der bürgerlichen Schichten und den Aufbau universitärer Wissenschaften bestimmt, sondern über die sozialdemokratischen Parteien, Gewerkschaften (Arbeiterbildungsvereine) und Volksbildungswerke bis in proletarischen Schichten und ländliche Bereiche hinein gewirkt.

Die Ebene der sozialen Beziehungen: Kultur bezeichnet hier einerseits das Feld der individuellen sozialen Fähigkeiten (gute Umgangsformen, Kultiviertheit der Erscheinung, ╩Höflichkeit╚), die zumeist schichtenspezifisch an bildungsbürgerlichen Vorstellungen ausgerichtet sind, andererseits das auf das politische Zusammenleben bezogene akzeptierte Verhalten. Während wissenschaftliche Untersuchungen der ╩politischen Kultur╚ die Einstellungen von Bürgern gegenüber ihrem sozialen und politischen Kontext (soziale Institutionen, Staat, Verwaltung) in neutraler Perspektive betrachten, tritt der Begriff der politischen Kultur im allgemeinen, auch im politischen Sprachgebrauch mit positiver Bedeutung auf: Er umfasst hier die das politische Zusammenleben ermöglichenden und fördernden Verhaltensweisen wie Kompromissbereitschaft und Toleranz.

Außer in den vier genannten Bedeutungsbereichen kann der Begriff Kultur noch in anderen Bedeutungsfeldern auftreten (z.B. Jugendkultur). Kultur meint hier eine spezifische, von anderen Gruppen und Verhaltensnormen unterscheidbare Menge gemeinsamer Verhaltensweisen und Sachverhalte, die für eine bestimmte Teilgruppe der Gesellschaft oder eine ganze Gesellschaft typisch ist.

Entwicklung des Kulturbegriffs

Als selbstständiger Begriff tritt Kultur am Ende des 17.Jahrhunderts in dem die Wissenschaftssprache Europas prägenden Latein auf und nimmt von hier aus seinen Weg auch in die deutsche Sprache. S.Pufendorfs ╩cultura╚ orientiert sich noch am Begriff Ciceros und bezeichnet als Kultur alle die Subsistenz des Menschen übersteigenden geistigen Werte und Pflichten. Eine erste historische Betrachtung der Entwicklung von Kultur findet sich in G.B. Vicos ╩Scienza nuova╚ (1725,0);
(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2002


Nach dem Begriffdefintion sollte man noch mal erwähnen, was für Einewirkungen auf "Europäer" haben und umgekehrt.
Dazu werde ich auch ein bischen Texte reinpasten. ( die volle Version füge ich als inf.datei hinzu. Zum Lesen notepad ist geignet )

В ответ на:


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Griechen und Barbaren: Europa und Asien....
Religion, Wissenschaft, Literatur, Kunst und materielle Zivilisation der frühesten Epoche der Griechen waren gekennzeichnet durch vielfältige Einflüsse aus den Hochkulturen des Vorderen Orients und Ägyptens. Ein gemeingriechisches Bewusstsein entwickelte sich erstmals in der Zeit der Kolonisierung, die seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. griechische Ansiedlungen an den Küsten des gesamten Mittelmeer- und Schwarzmeerraums zur Folge hatte
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Zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert vollzog sich in Europa ein epochaler Wandel. Das Wachstum der Bevölkerung, die Stadtentwicklung mit dem Aufkommen eines selbstbewussten Bürgertums, die globale Ausweitung des Handels, neue Techniken und nicht zuletzt ein zunehmend säkularisiertes Menschen- und Weltbild bildeten die Grundlage für diesen Umbruch. An seinem Ende stand die moderne Welt mit ihren neuen Vorstellungen von Philosophie und Religion, ihrer starken Hinwendung zu den Realitäten von Natur und Welt, ihren vielfältigen Erfindungen und Entdeckungen, ihren veränderten politischen und wirtschaftlichen Systemen, ihren expansiven und progressiven Kräften
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Zunächst einmal vollzog sich in dieser Revolution das, was man den Umschlag vom Mythos zur Realität genannt hat. Gemeint sind hiermit das Ende der von Mythen, Legenden und biblischen Vorstellungen bestimmten Versuche in Antike und Mittelalter, die unbekannte Welt zu entschleiern
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Freilich wäre es verfehlt, die Globalisierung der Erde einseitig unter europäischen Vorzeichen zu sehen. Andere Kontinente und fremde Kulturen haben ihrerseits auf Europa zurückgewirkt, angefangen von veränderten Ernährungsgewohnheiten über differenziertere Wirtschaftsstrukturen bis hin zu religiös-kulturellen Synkretismen (Verschmelzungen). Zudem waren auch nahezu alle von europäischem Kolonialismus, Imperialismus und abendländischer Zivilisation betroffenen Völker durchaus als Handelnde an den historischen Prozessen beteiligt, die sie in nicht geringem Umfang nach ihren Vorstellungen und Möglichkeiten zu gestalten wussten. Erst aus dieser wechselseitigen Beeinflussung und Befruchtung ist die moderne Welt hervorgegangen.
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Weil auch auf der asiatischen Seite der Ägäis Griechen lebten, konnte man einen politisch-kulturellen Gegensatz zwischen Europa und Asien nur in bestimmten Situationen postulieren zum Beispiel im Gefolge der Perserkriege. ...
Die in der Antike entwickelten Muster der Wahrnehmung fremder Kulturen bestimmten bis in die Gegenwart hinein in vielfältiger Weise den Umgang der Europäer mit der übrigen Welt. Es lag in der Struktur des Barbarenbegriffs als eines ╩asymmetrischen Gegenbegriffes╚ begründet, dass er zur Abgrenzung von Heiden, Muslimen, ╩Primitiven╚ immer wieder neu ╩besetzt╚ werden konnte. So nahmen noch Reiseberichte der frühen Neuzeit die Türkei, Persien und Indien mit den Kategorien wahr, die sie aus der antiken Tradition übernommen hatten; daneben bestand jedoch stets auch das Bild vom märchenhaften Orient, dessen alter und weiser Kultur große Bewunderung entgegengebracht wurde.
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Kulturkontakt: Islamische Kultur und christliches Europa
Die werdende islamische Kultur hat bekanntlich vor allem seit dem 8.яJahrhundert einen beachtlichen Teil des antiken Erbes aufgenommen, verarbeitet und darauf aufbauend in immer stдrkerem MaЯe eigenstдndige wissenschaftliche Leistungen von bleibendem Rang hervorgebracht, die sie schlieЯlich in den Stand setzten, dieses angereicherte Erbe an Europa weiterzugeben. Die ╩Auswahl╚, die der Islam in diesem Vorgang der Ьbernahme getroffen hatяэ also Naturwissenschaften, Geographie, Geschichte u.яa., aber weder Epik noch Lyrik oder Dramaяэ hat lange Zeit Spekulationen ьber die Grьnde dafьr ausgelцst. P. Kunitzsch hat diesen Sachverhalt sehr einleuchtend damit erklдrt, dass es sich bei dem Akzeptierten um das in den christlichen Klцstern zumal Syriens gehьtete und gepflegte Kulturgut handelte, was zum Ausschluss aller mцglicherweise ╩frivolen╚ Kenntnisse fьhrte.
Die Weitergabe des so gewonnenen und erweiterten Wissens an den Westen setzte etwa zur gleichen Zeitяэ am Ende des 10. Jahrhundertsяэ ein und erfolgte ganz ьberwiegend im westlichen Mittelmeerraum und hier v.a. in Spanien, das durch sein jahrhundertelanges Mit- und Gegeneinander christlicher und islamischer Herrschaftsgebiete die engsten Verbindungen beider Kulturbereiche aufwies. Im Folgenden sollen nun wesentliche Trдger dieses Kulturtransfers und die von ihnen vermittelten Werke und Inhalte skizziert werden.
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Was aber wurde eigentlich ?bersetzt? Alle Gebiete der damaligen Wissenschaften finden sich unter den ?bersetzten Werken: Mathematik, Astronomie und Astrologie, Physik und Mechanik, Chemie bzw. Alchimie, ferner Medizin mit der dazugeh?renden Pharmakognosie, Philosophie sowie Werke der Magie, also der Geheimwissenschaften. Hier ist der Ort, darauf hinzuweisen, dass die Erfindung des Buchdrucks zu einem gewaltigen Anschwellen der Kenntnis solcher Schriften f?hrte. Bis dahin konnten sich z.?B. nur reiche oder sehr erfolgreiche ?rzte etwa den ╩Kanon der Medizin╚ (al-Kanun fi t-tibb) von Avicenna leisten, nun aber waren auch weniger bemittelte ?rzte in der Lage, derlei umfangreiche Werke zu erstehen. So ist denn auch Avicenna erst durch den Buchdruck zum Ziehvater der europ?ischen Medizin geworden. Viele Werke wurden mehrfach ?bersetzt und oft, bis ins 17.?Jahrhundert hinein, immer wieder gedruckt.
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Dass eine der wesentlichen Grundlagen des europäischen naturwissenschaftlichen Denkens die arabischen Zahlen sind, ist wohl allgemein bekannt. Wie stark und wie viele Lebens- und Wissensbereiche umfassend der arabisch-orientalische Einfluss auf Europa jedoch war, können wir am besten aus den vielen arabischen Lehnwärtern des Deutschen (wie anderer europäischer Sprachen) ersehen, ganz zu schweigen von den Massen solcher Entlehnungen in den Sprachen der Pyren?enhalbinsel wie auch?? wenn auch weniger zahlreich?? im Italienischen. Allein fürs Deutsche gen?gt es, eine ganz bescheidene Auswahl solcher orientalischer W?rter, bei uns nat?rlich aus anderen europ?ischen Sprachen entlehnt, aufzuf?hren; viele arabische Vokabeln sind freilich ihrerseits wieder ebenfalls Leihgaben aus dem Persischen, den indischen Sprachen usw. Auf die Aufz?hlung von Sternnamen aus dem Arabischen sei verzichtet, weil deren Vokabular (wie z.B. Atair, Rigel, Beteigeuze, Aldebaran) davon wimmelt. Man denke aber an Admiral, Alchimie/Chemie, Alkohol, Algebra, Benzin (!), Fakir, Haschisch, Kabel, Kaffee, Kaliber, Arsenal, Laute, Moschee, Risiko, Scheck, Sirup, Zucker und viele andere mehr, wobei Bezeichnungen typisch orientalischer Personen und Dinge unberücksichtigt blieben

Mehmed II., der sich den Beinamen ╩der Eroberer╚ (Fatih) verdiente, brachte in den folgenden Jahren das Eroberungswerk auf der Balkanhalbinsel zum Abschluss.
Der Sultan und die Christen

Für die christlichen Balkanvölker brachten die osmanischen Eroberer folgt man den Vorgaben der nationalen Geschichtsschreibung eine Zeit der grausamen Unterdrückung. Nicht zu
bestreiten ist die Tatsache, dass in einem islamischen Staat alle Andersgläubigen zu Untertanen minderen Rechtes herabgestuft wurden. Immerhin gestand aber schon Mohammed allen
Schriftbesitzern den Christen ebenso wie den Juden bei freiwilliger Unterwerfung den obrigkeitlichen Schutz ihres Lebens und ihres Eigentums sowie freie Religionsausübung zu. Als
Schutzgebühr hatten sie die Kopfsteuer zu entrichten.

Im Alltagsleben hatten die Christen erhebliche Einschränkungen hinzunehmen. Sie waren von Regierungsgeschäften ausgeschlossen, durften keine Waffen tragen, hatten in der
Öffentlichkeit Muslimen mit Ehrerbietung zu begegnen und gewisse unterscheidende Kleidervorschriften zu beachten, durften nicht in Wohnvierteln mit Moscheen leben oder einer
Beschäftigung nachgehen, mussten ihre Religionsausübung und jegliche kultische Handlung auf den kirchlichen Innenraum beschränken. Kirchenneubauten waren generell verboten. Vor
Zwangsbekehrungen zum Islam blieben die christlichen Untertanen in der Regel zwar verschont, hatten aber in periodischen Abständen durch Zwangsrekrutierungen unter der männlichen
Jugend (╩Knabenlese╚) einen bitteren Blutzoll zu zahlen. Die berühmte Elitetruppe der Janitscharen (türkisch ╩Neue Truppe╚), die lange Zeit als eine Art Prätorianergarde das militärische
Rückgrat der osmanischen Militärmacht bildete, rekrutierte sich vorwiegend aus Balkanslawen, Albanern und Griechen.
..
Für die Muslime war er weltliches Oberhaupt, Sultan, und seit der Eroberung der heiligen Stätten im 16.Jahrhundert ╩Kalif des Islam╚ in einer Person, in seiner Machtvollkommenheit
eingeschränkt nur durch das religiöse Recht. Für dessen Auslegung im Einzelfall waren die Rechtsgelehrten (Ulema) zuständig. Sie hatten sich im Osmanischen Reich in der
Körperschaft der Ilmiye eine streng hierarchisch gegliederte Organisationsform gegeben. Sie verstand sich als Teil des Staatsapparates und gleichzeitig als Kontrollinstanz der
Staatstätigkeit...
..

Nachwirkungen bis in unsere Zeit

Die Türkenherrschaft hat unter den christlichen Balkanvölkern unverwischbare Spuren hinterlassen. Sie lebt fort im äußeren Erscheinungsbild vieler ländlicher Siedlungen und Städte, die
von den Minaretten der Moscheen beherrscht werden und in ausgedehnten Basarvierteln vielfältige Formen einer morgenländischen Lebensweise beherbergen. Sie findet sich in den Ess-
und Trinkgewohnheiten der Bewohner, in typischen Baulichkeiten (Medresen, Bäder, Friedhöfe) und in gesellschaftlichen Umgangsformen. Die Balkanvölker haben während eines halben
Jahrtausends türkischer Fremdherrschaft von ihren einstigen Zwingherren in ihrem Denken, Sprechen und Handeln, in ihren Lebensgewohnheiten und in ihrer Alltagskultur mehr
aufgenommen als die späteren Ideologen der nationalen Erweckungsbewegungen wahrhaben wollten. Im Gegensatz zum Vorgehen der Tataren in Russland, die auf eine indirekte
Beherrschung des unterworfenen Landes setzten, hat in Südosteuropa das enge Zusammenleben muslimischer und christlicher Bevölkerungsgruppen interkulturelle Kontakte und eine
Symbiose zwischen unterschiedlichen Kulturwelten begünstigt. Dass die Türkenzeit dennoch bei allen Balkanvölkern nur ungute Erinnerungen hinterlassen hat, ist einer verständlichen
parteiischen Sichtweise innerhalb der Befreiungsbewegung des 19. Jahrhunderts anzulasten. Ihre einseitig negativen Klischees sind seither über den Geschichtsunterricht der Schulen
zum festen Bestandteil eines nationalen Geschichtsbildes geworden.



"интернет существует не только для того, чтобы с него сгребать все, что попадeтся под руку."

~~~~~~~~~~Привилегии евреев-Kontingentflüchtlingen в ФРГhttp://eleft.com/199
 

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