German in use
В ответ на:German in use - He, dass ist aber nicht in deutsch geschrieben!!!
Dieses Thema (Thread ist schliesslich Englisch) finde ich ganz einfach super!!!
Meine Frage besteht jedoch darin, wollt Ihr ein gutes "UMGANGSDEUTSCH" oder ein fehlerfreies "HOCHDEUTSCH" in diesem Forum propagieren und erlernen?
Das Problem besteht eigentlich darin, dass selbst die Experten der deutschen Rechtschreibung und Grammatik nicht wissen, was man auf deutsch wie richtig schreibt (man kann aber auch sagen: ... was man auf deutsch wie richtig zu schreiben hat - es kommt nur auf den Sinn an)!!! ![]()
Meiner Meinung nach, muss man hier mehrere Fälle unterscheiden:
1. Das "offizielle Schuldeutsch": In der Schule wird den Kindern nämlich nur das als "richtiges" Deutsch beigebracht, was die deutschen Kultusminister
als Regeln der Rechtschreibung und Grammatik für richtig befinden. Und dabei richten sie sich nach der aktuellen Ausgabe des Duden.
2. Die Umgangssprache: Es ist in jeder Sprache, welche ich kenne, so, dass sich die Umgangssparache von der "Schulsprache" unterscheidet. Es muss nicht unbedingt grammatikalisch richtig gesprochen werden. Im Besonderen ist davon die grammatikalisch richtige Konjunktion der Verben betroffen. Wer spricht schon heutzutage noch im Plusquamperfekt?
3. Sprachregeln und -gesetze: Der Duden ist kein Gesetz der deutschen Sprache, sondern nur ein Sammelsurium der aktuell für Schulen und Behörden empfohlenen Schreibweise.
Um das Ganze etwas zu verdeutlichen, möchte ich an dieser Stelle einen kurzen Abriss der Entwicklung der deutschen Sprache wiedergeben (Quelle: http://www.duden.bifab.de/
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Die Geschichte der Rechtschreibung
Bis ins 19. Jahrhundert
Von den Grammatikern werden zwei konkurrierende Prinzipien propagiert:
1. Phonetischer Grundsatz:
╩Schreibe, wie du sprichst.╚
Bedeutendster Vertreter im 18. Jahrhundert: Johann Christoph Adelung
2. Historisch-etymologisches Prinzip:
Die Schreibung soll die Wortgeschichte berücksichtigen.
Bedeutendster Vertreter: Jacob Grimm
Um 1850
Stark voneinander abweichende orthographische Regelhefte der Schulverwaltungen einzelner Länder. Spätestens seit der Reichsgründung 1871 wird die Uneinheitlichkeit in der Schreibung als ernsthafte Behinderung empfunden (z. B. Attaque neben Attacke, Herd neben Heerd).
1876
Die Erste staatliche Konferenz ╩zur Herstellung größerer Einigkeit in der Rechtschreibung╚ in Berlin scheitert am Veto Bismarcks.
1880
Das ╩Vollständige Orthographische Wörterbuch der deutschen Sprache╚ (der so genannte ╩Urduden╚) von Konrad Duden erscheint auf der Basis der Rechtschreibregeln, die der Germanist Wilmanns für die preußischen Schulen entwickelt hatte.
Mit dem ╩Urduden╚ werden die Grundlagen einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung über den ganzen Sprachraum hinweg gelegt.
1901
In Berlin findet vom 17. bis 19. Juni die so genannte II. Orthographische Konferenz statt. Sie berät über die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung. Grundlage ihrer Arbeit bildet die preußische Rechtschreibung, die Duden mit seinem ╩Orthographischen Wörterbuch╚ bereits im ganzen Reichsgebiet und darüber hinaus durchgesetzt hatte. Das neue Regelwerk lässt zahlreiche Schreibvarianten zu.
Der Schweizer Bundesrat beschließt auf einer Rechtschreibkonferenz der deutschsprachigen Schweiz, dass die Schweizer Orthographie die im ╩Orthographischen Wörterbuch╚ von Duden festgelegte Rechtschreibung sein soll.
1902
Das Konferenzergebnis (╩Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis╚) wird in Buchform veröffentlicht; durch Beschluss des deutschen Bundesrates wird das amtliche Regelwerk für alle
Bundesländer im deutschen Reich als verbindlich erklärt. Österreich und die Schweiz übernehmen die deutsche Regelung. An den österreichischen Schulen gilt die Rechtschreibregelung bereits mit Beginn des Schuljahres 1902/03.
Die siebte Auflage von Konrad Dudens ╩Orthographischem Wörterbuch der deutschen Sprache╚ erscheint und wendet das neue amtliche Regelwerk an.
1903
Vom 1. Januar an soll die amtliche Rechtschreibung für die Behörden des deutschen Sprachraums gelten; für die Schulen des deutschen Reichs und der Schweiz tritt sie zum jeweiligen Beginn des Schuljahres 1903/04 in Kraft.
Die Buchdruckervereine Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wenden sich an Konrad Duden mit der Aufforderung, ein orthographisches Nachschlagewerk zu schaffen, in dem für die vielen Doppelschreibungen eine Entscheidung zugunsten einer Variante getroffen wird. Noch im selben Jahr
veröffentlicht Konrad Duden seine ╩Rechtschreibung der Buchdruckereien deutscher Sprache╚ (den so genannten ╩Buchdruckerduden╚), in der er dieser Aufforderung nachkommt.
1915
In der neunten Auflage verschmelzen das ╩Orthographische Wörterbuch╚ und der ╩Buchdruckerduden╚ zum ╩Duden √ Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter╚. Dieser Duden von 1915 reduziert nochmals die Zahl der Schreibvarianten und gibt Empfehlungen zu Bereichen, die im Berliner Regelwerk nicht berücksichtigt worden waren, z. B. die Zeichensetzung und die Getrennt- und Zusammenschreibung. Damit trägt er entscheidend zur Festschreibung der deutschen Rechtschreibung für die kommenden Jahrzehnte bei.
Ab 1945
Mit der deutschen Teilung zerfällt auch der Duden in eine Ausgabe West und eine Ausgabe Ost.
1955
Zur Wahrung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung erklärt die westdeutsche
Kultusministerkonferenz (KMK) ╩in Zweifelsfällen ... die im Duden gebrauchten Schreibweisen und Regeln╚ für vorläufig (nämlich bis zu einer amtlichen Neuregelung) verbindlich.
1980
Der Internationale Arbeitskreis für Rechtschreibreform wird gegründet (IAR) und mit Germanisten aus der BRD, aus Österreich und aus der Schweiz besetzt.
1987
Die Kultusministerkonferenz erteilt dem Institut für deutsche Sprache in Mannheim den Auftrag, zusammen mit der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden ein neues Regelwerk zu entwerfen.
1988
Übergabe eines (unvollständigen) Vorschlags mit zahlreichen, sehr weit in den Schreibgebrauch eingreifenden Neuregelungen (z. B. der Keiser im Bot), der in der Öffentlichkeit und bald auch von der KMK als unannehmbar zurückgewiesen wird.
1992
Der Internationale Arbeitskreis legt einen alle Bereiche der Orthographie
behandelnden, international abgestimmten Vorschlag unter dem Titel ╩Deutsche Rechtschreibung √ Vorschläge zu ihrer Neuregelung╚ (Narr, Tübingen) vor.
1993
Die KMK fordert 43 Verbände zur Stellungnahme auf, Anhörungen finden in Bonn statt, aber auch in Österreich und in der Schweiz. Der IAR nimmt daraufhin seinen Vorschlag, die Substantivkleinschreibung einzuführen, zurück. Es bleibt auch bei der Unterscheidung von das/daß.
1994
Die zuständigen Fachbeamten in den Kultusministerien der an der Neuregelung beteiligten Staaten empfehlen den Kultusministern die modifizierte Fassung des Neuregelungsvorschlags zur Annahme.
1995
Die deutsche Kultusministerkonferenz beschließt, die Neuregelung zum 1. August 1998 mit einer Übergangsphase bis 2004/2005 einzuführen.
1996
1. Juli: Deutschland, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein und weitere Länder mit deutschsprachigen Bevölkerungsteilen verpflichten
sich durch die Wiener Absichtserklärung zur ╩Neuregelung der deutschen Rechtschreibung╚, die neue Orthographie bis zum 1. 8. 1998 einzuführen. Die ersten Wörterbücher in neuer Rechtschreibung erscheinen. Einige Bundesländer führen bereits mit Schulbeginn 1996/97 die neuen Regeln im Unterricht ein. Auf der Frankfurter Buchmesse unterzeichnen 100 Schriftsteller und Wissenschaftler die ╩Frankfurter Erklärung╚ für einen Stopp der Reform. Die öffentliche Diskussion um die Rechtschreibreform entbrennt.
1997
Verwaltungsgerichte werden bemüht, die Rechtmäßigkeit der Einführung der neuen Rechtschreibung an Schulen per Kultusministererlass zu prüfen. Die Zwischenstaatliche Kommission für die deutsche Rechtschreibung konstituiert sich. Sie soll im Auftrag der Kultusminister die Einführung der neuen Regeln begleiten und Zweifelsfälle ausräumen.
Juli 1998
Das Bundesverfassungsgericht erklärt die Einführung der neuen Rechtschreibung per
Kultusministererlass für verfassungsgemäß. 1. August: Die neue Rechtschreibung wird offiziell an Schulen und Behörden eingeführt. Bisherige Schreibweisen gelten als überholt, werden aber noch nicht als Fehler gewertet. Erst ab dem 31. 7. 2005 sollen nur noch die neuen Rechtschreibregeln gelten.
1999
1. August: Stichtag für die Einführung der neuen Rechtschreibung für die deutschen Nachrichtenagenturen.
2000
25. August: Erscheinungstag der 22. Auflage des Rechtschreibdudens.
2005
Am 31. Juli 2005 läuft die Übergangsfrist, innerhalb deren die herkömmliche und die neue Rechtschreibung nebeneinander existieren, ab. Vom 1. August an ist die neue Rechtschreibung in Schulen und Behörden definitiv verbindlich und amtlich.
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Und somit stelle ich die Frage, worüber wir diskutieren wollen? Ein "gutes Deutsch"? Ein
"richtiges" Deutsch?
Oder wollen wir uns darüber verständigen, wie man Deutsch so spricht, dass es jeder Muttersprachler (und damit eigentlich auch jeder Deutsche) als "richtiges" Deutsch versteht? ![]()
Ich spreche Deutsch so, wie mir der Schnabel gewachsen ist - schliesslich ist es meine Muttersprache! ![]()
ERRARUM HUMANUM EST - IRREN IST MENSCHLICH
